Presseinformation der Dachdeckerinnung


Dachdeckerinnung mahnt zur Vorsicht bei Haustürgeschäften und will den Schwarzarbeitssumpf austrocknen


In der gesamten Region Unterfranken gehören sie schon fast zum Alltag – die „Handwerker“ an der Haustüre. Gemeint sind aber nicht etwa dubiose Schlüsseldienste, sondern Dachdecker, die ihre Dienste wie Hausierer anbieten. So begeistert die meist älteren Hausbesitzer von der Freundlichkeit dieser Verkaufstalente oft spontan sind, so bitter ist danach nicht selten die Realität.

Für Karl-Frank Bayer, Obermeister der Dachdecker-Innung Unterfranken, gehören Anrufe enttäuschter Kunden mittlerweile schon fast zum Alltag.

„Oft werden unnötige Reparaturen verkauft und das gesetzliche Rücktrittsrecht durch So-fortvollzug gleich ausgehebelt“, weiß Karl-Frank Bayer aus Gesprächen mit diesen Kunden.  „Was da an der Haustüre den gutgläubigen Kunden aufgedrängt wird, ist nicht selten eine durchschnittliche Arbeit zum überdurchschnittlichen Preis“, berichtet der Dachdeckermeister Richard Schoenenberg aus Unterpleichfeld, dessen Kunden auch schon solche „Dach-Arbeiten“ angeboten wurden.

An Einfallsreichtum mangelt es vielen dieser „hausierenden Handwerkern“ offenbar nicht. Mal tritt ein Unternehmen aus entfernten Regionen auf, das den „lokalen“ Bezug durch eine Telefonnummer aus der Region herzustellen versucht. Bei der Geltendmachung eventueller Mängelbeseitigungen ist diese Konstellation zumindest wenig hilfreich.

Zwar besteht ein gesetzlich garantiertes Rücktrittsrecht von zwei Wochen bei Haustürge-schäften, auf das der Auftragnehmer/Auftragwerber ausdrücklich schriftlich hinweisen muss:

BGB § 355:
(1) Wird einem Verbraucher durch Gesetz ein Widerrufsrecht nach dieser Vorschrift eingeräumt, so sind der Verbraucher und der Unternehmer an ihre auf den Abschluss des Vertrags gerichteten Willenserklärungen nicht mehr gebunden, wenn der Verbraucher seine Willenserklärung fristgerecht widerrufen hat. Der Widerruf erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Unternehmer. Aus der Erklärung muss der Entschluss des Verbrauchers zum Widerruf des Vertrags eindeutig hervorgehen. Der Widerruf muss keine Begründung enthalten. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.
(2) Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage. Sie beginnt mit Vertragsschluss, soweit nichts anderes bestimmt ist.
(3) Im Falle des Widerrufs sind die empfangenen Leistungen unverzüglich zurückzu-gewähren. Bestimmt das Gesetz eine Höchstfrist für die Rückgewähr, so beginnt diese für den Unternehmer mit dem Zugang und für den Verbraucher mit der Abgabe der Widerrufserklärung. Ein Verbraucher wahrt diese Frist durch die rechtzeitige Absendung der Waren. Der Unternehmer trägt bei Widerruf die Gefahr der Rück-sendung der Waren.

Nach geltender Rechtssprechung muss die Widerufsbelehrung:

  • in Textform dauerhaft beim Verbraucher vorliegen,
  • den Verbraucher darüber belehren, dass er ein Widerrufsrecht hat und wie er es ausüben kann,
  • Namen und Anschrift des Unternehmers enthalten, an den die Widerrufserklärung oder die Warenrücksendung zu richten ist,
  • einen Hinweis auf den Beginn der Widerrufsfrist enthalten und
  • beim Haustürgeschäft einen Hinweis auf die Rechtsfolgen des Widerrufs enthalten.

Die „Anbieter“ vermerken aber nicht selten in ihren schriftlichen Aufträgen, der „Kunde wünscht sofortige Ausführung“ oder „mir wurde erklärt das ich bis zu 2 Wochen den Auftrag stornieren kann, wovon ich aber absehen will. Da ich auch die vom Arbeitnehmer erklärten Arbeiten machen lassen will“.

Für einige Kunden wird die vermeintlich günstige Reparatur noch teurer: Die „Drückerko-lonnen“ der Handwerker schließen meist Verträge zu Pauschalpreisen ab, die nach Ausfüh-rung in bar bezahlt werden müssen. Doch Barzahlungen schließt die steuerliche Geltend-machung von Handwerkerleistungen (20% der Arbeitsleistung, max. von 6.000 EUR/jährlich) ausdrücklich aus. Denn damit soll ein unkontrollierter Geldfluss (Schwarzarbeit) seitens der Finanzbehörden verhindert werden. Auch fehlt nicht selten der Ausweis der Mehrwertsteuer. Damit steigt der Gewinn solcher Anbieter nicht nur um die eingesparten 19% Mehrwertsteuer, sondern auch um die Einkommenssteuer.

„Ehrliche Handwerker sind somit kaum noch konkurrenzfähig“, sind sich die beiden Dach-Experten der Innung Unterfranken einig. Zudem steigen deren Abgaben für die Sozialkas-sen immer weiter, weil manche ihrer dubiosen „Kollegen“ sich auch hier die Beiträge gerne sparen.

 „Haustürgeschäfte sind zwar legal, aber niemand käme auf die Idee, ein Auto von einem Unbekannten an der Haustüre zu kaufen oder sein nächstes Gebiss bei ihm in Auftrag zu geben“, wundern sich die Dachdeckermeister. „Wenn es um die Instandhaltung der eigenen vier Wände geht, ist Sorglosigkeit aber leider weit verbreitet“. Dabei ist es gerade hier im Immobilienbereich wichtig, sich als Verbraucher seine Rechte bei einer möglicherweise notwendigen Mängelbeseitigung von vornherein zu sichern.

Die Dachdecker-Innung bietet geschädigten Hausbesitzern an, die Arbeit, die ihnen an der Haustüre verkauft wurde, einmal in Augenschein zu nehmen und danach deren fachliche Ausführung zu beurteilen. Dabei wird betroffenen Hausbesitzern selbstverständlich Vertrau-lichkeit zugesagt. Wer dieses Angebot annehmen möchte, kann sich direkt an die Dachde-cker-Innung Unterfranken (Tel. 0 93 52 / 60 28 80) wenden.

„Wir wollen Verbraucher in ihren Rechten schützen und gleichzeitig den Sumpf der Schwarzarbeit austrocknen“, so die Motivation der beiden Dachdeckermeister für diesen Aufruf. „Und außerdem sind wir das unseren zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, die ehrlich arbeiten und abrechnen, einfach schuldig“.